Pflegetagebuch führen

Grundlage ist die Zeit, die eine nicht ausgebildete Pflegekraft braucht.

Es werden jedoch nicht alle Hilfeleistungen anerkannt, sondern nur bestimmte Tätigkeiten. Man spricht bei diesen von sogenannten Verrichtungen. Hierbei ist zu beachten, dass für die einzelnen Verrichtungen Zeitangaben über einer vorgegebenen Maximaldauer nicht angerechnet werden. Besonders wichtig ist dieses Wissen beim Führen des Pflegetagebuchs. Das Dokumentieren der Verrichtungen und deren Zeitdauer im Pflegetagebuch ist bei einer bevorstehenden Pflegebegutachtung dringend zu empfehlen. Folgend stellen wir die einzelnen Verrichtungen vor, jeweils mit der maximal anrechenbaren Minutenangabe.

Verrichtungen im Bereich der Körperpflege

– Waschen/Duschen/Baden
Zu diesen Verrichtungen gehören: das Waschen des Körpers am Waschbecken, in der Dusche, in der Badewanne oder im Bett mit Hilfe einer Waschschüssel. Dazu zählen ebenfalls die Vorbereitung, die Nachbereitung und natürlich das Waschen sowie das Abtrocknen.
Maximal anrechenbar sind:
Ganzkörperwäsche: 20–25 Minuten
Waschen Hände und Gesicht:1–2 Minuten
Waschen Oberkörper: 8–10 Minuten
Waschen Unterkörper: 12–15 Minuten
Duschen: 15–20 Minuten
Baden: 20–25 Minuten

– Zahnpflege inkl. Mundpflege
Auch die Verrichtung der Zahnpflege umfasst die Vorbereitung (beispielsweise das Aufschrauben der Zahnpasta und das Verteilen dieser), das eigentliche Putzen und die Nachbereitung. Die Reinigung von Zahnersatz und die Mundpflege (Benutzung von Mundwasser) zählen dazu.
Maximal anrechenbar sind 5 Minuten.

– Kämmen
Das Kämmen entsprechend der gewöhnten Frisur wird anerkannt. Aufwendigere Frisuren, wie beispielsweise das Legen von Dauerwellen, sowie Haare waschen und schneiden wird nicht anerkannt, sofern es nicht durch eine Erkrankung oder deren Folgen notwendig ist. Bei Tragen von Toupets und Perücken werden das Kämmen und Aufsetzen dieser anerkannt.
Maximal anrechenbar sind 1-3 Minuten.

– Rasieren
Hierzu zählen Trocken- oder Nassrasur und die damit zusammenhängende Haut- und Gesichtspflege. Bei Frauen kann auch ohne (notwendige) Gesichtsrasur (bspw. beim Damenbart) die Gesichtspflege – jedoch nicht das Schminken – berücksichtigt werden.
Maximal anrechenbar sind 5-10 Minuten.

– Darm-/Blasenentleerung
Dies meint alle Vorgänge, die für das Wasserlassen oder den Stuhlgang erforderlich sind. Dies können beispielsweise die Folgenden sein:
– Hilfestellung bei der nachfolgenden Intimhygiene
– „Richten der Bekleidung“ vor und nach dem Toilettengang
– Entleeren und Säubern von Toilettenstühlen
– Handhabung von Inkontinenzprodukten
– Reinigung, Pflege und Versorgung von künstlichen Darm- und Blasenausgängen
– Leeren von Urinflaschen/Urinbeuteln
– Anleitung/Aufforderung zur selbstständigen Durchführung
Nicht berücksichtigt werden hingegen die Gabe von Abführmitteln und das Legen eines Dauerkatheters.
Maximal anrechenbar sind für
– die Darmentleerung 3-6 Minuten,
– für das Wechseln von Vorlagen nach Stuhlgang (inkl. Hygiene und Entsorgung) 4–6 Minuten sowie
– für die Blasenentleerung 2-3 Minuten und
– für das Wechseln von Vorlagen nach Wasserlassen (inkl. Hygiene und Entsorgung) 7–10 Minuten.

Verrichtungen im Bereich der Ernährung

– Mundgerechte Zubereitung
Hierbei geht es nicht um das normale Kochen und Zubereiten der Mahlzeiten, sondern um die spezielle Vorbereitung, sodass der Pflegebedürftige diese Mahlzeiten essen kann. Beispielsweise wäre dies:
– Zerkleinern in mundgerechte Bissen
– Einweichen harter Nahrung bei Kau- und Schluckbeschwerden
– Einfüllen von Getränken in Trinkgefäße
– Anleitung zur selbstständigen Durchführung
Maximal anrechenbar für das mundgerechte Zubereiten einer Hauptmahlzeit (inkl. Bereitstellen von Trinken) sind 2–3 Minuten und für das mundgerechtes Zubereiten einer Zwischenmahlzeit (inkl. Bereitstellen von Trinken) jeweils 1 Minute.

– Aufnahme der Nahrung
Hierzu zählen alle Hilfestellungen, die notwendig sind, damit der Pflegebedürftige feste, flüssige oder breiige Nahrung oder Getränke aufnimmt. Das meint auch die Aufforderungen dazu sowie die Gabe von Sondenkost und die Pflege der Sonde.
Maximal anrechenbar für das Essen einer Hauptmahlzeit (inkl. Trinken) sind jeweils 15 – 20 Minuten.

Verrichtungen im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung

– Einkaufen
Dies meint neben dem Einkaufen an sich auch die Lagerung der Einkäufe und das Planen und Informieren beim Einkauf von Lebens-, Reinigungs- und Körperpflegemitteln.

– Kochen
Hiermit ist die gesamte Zubereitung der Nahrung gemeint. Aber auch Hilfestellungen bei der Benutzung von technischen Geräten und Ähnliches werden anerkannt.
– Reinigen der Wohnung
Dies umfasst das Reinigen des täglichen Lebensbereiches des Pflegebedürftigen, also von Fußböden, Möbeln, Fenstern und Haushaltsgeräten.

– Spülen
Dies meint das Spülen und Abtrocknen von Geschirr, Kochgeschirr und Besteck, das der Pflegebedürftige benutzt hat.
– Wechseln/Waschen der Kleidung/Wäsche
Hierzu gehören das Waschen, Trocknen, Bügeln, Ausbessern und Sortieren der Kleidung in den Schrank sowie das Wechseln der Bettwäsche.

– Beheizen der Wohnung
Hiermit ist auch die Beschaffung und Entsorgung von Heizmaterial gemeint, beispielsweise beim Heizen mit Heizöl.

Verrichtungen im Bereich der Mobilität

– Aufstehen und Zu-Bett-Gehen
Dies umfasst neben der körperlichen Hilfe bei der eigentlichen Handlung auch die Entscheidung über den Zeitpunkt. Dies gilt auch für Personen, die infolge von Antriebsstörungen regelmäßig wiederholt zum Aufstehen aufgefordert werden müssen.
Maximal anrechenbar sind jeweils 1-2 Minuten.

– Umlagern
Umlagern wird nur dann angerechnet, wenn es eine gesonderte Handlung ist und nicht im Zusammenhang mit anderen Verrichtungen, wie beispielsweise dem Neubeziehen des Bettes, während der Pflegebedürftige noch im Bett liegt, geschieht.
Maximal anrechenbar sind jeweils 2-3 Minuten.

– An- und Auskleiden
Das An- und Auskleiden umfasst neben allen notwendigen Unterschritten auch die Auswahl der Kleidungsstücke und das Holen dieser aus dem Schrank.
Maximal anrechenbar sind für das
– Ankleiden gesamt: 8–10 Min.
– Ankleiden Oberkörper oder Unterkörper: 5–6 Min.
– Entkleiden gesamt: 4–6 Min.
– Entkleiden Oberkörper oder Unterkörper: 2–3 Min.

– Gehen
Hiermit ist die Bewegung innerhalb der Wohnung gemeint, wenn es im Zusammenhang mit einer weiteren Verrichtung erfolgt, beispielsweise der Gang ins Bad. Bei Rollstuhlfahrern beinhaltet es entsprechend die Benutzung des Rollstuhls. Das Gehen im Zusammenhang mit der hauswirtschaftlichen Versorgung wird nicht gesondert angerechnet, es zählt dann zu der hauswirtschaftlichen Versorgung
– Stehen
Zum Stehen gehören notwendige Transfers, z.B. auf einen Roll-/Toilettenstuhl, in eine Badewanne oder Dusche. Andere Hilfestellungen beim Stehen (z.B. beim Waschen) sollten bei den jeweiligen Verrichtungen genannt werden.
– Treppensteigen
Bei der Begleitung des Pflegebedürftigen mit einer leichten Gangunsicherheit auf einer Treppe wird nur die Zeit gewertet, die hierfür tatsächlich aufgewendet wird, wenn der Pflegebedürftige ansonsten alleine gehen kann.

Maximal anrechenbar für das Gehen, Stehen oder Treppensteigend (sofern für Verrichtung notwendig) sind die real anfallenden Minuten.
Tipp: Demonstrieren Sie es dem Gutachter.

– Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung
Es sind nur Anlässe zu berücksichtigen, die unmittelbar für die Aufrechterhaltung der Lebensführung zu Hause notwendig sind und das persönliche Erscheinen des Antragsstellers erfordern. Das können zum Beispiel Arztbesuche oder Behördengänge sein. Diese Anlässe müssen regelmäßig und auf Dauer notwendig sein, dies gilt beispielsweise besonders für Dialysen.
Maximal anrechenbar für das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung sind bis zu 45 Minuten.

Pflegestufe.de-Tipp

Nicht täglich anfallende Verrichtungen werden jeweils auf den durchschnittlichen Aufwand an einem Wochentag umgerechnet.

Kontaktieren Sie einen Pflegeberater und lassen Sie sich unterstützen.

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